Lack- und Druckfarbenindustrie vor dem Aufschwung
Bad Dürkheim, 11. Mai 2010 – Die deutsche Lack- und Druckfarbenindustrie blickt mit verhaltenem Optimismus auf das Jahr 2010. Bei einer Pressekonferenz am Rande der Mitgliederversammlung des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) am 11. Mai 2010 in Bad Dürkheim prognostizierte Verbandspräsident Peter Becker ein Marktwachstum von 1,4 Prozent für Deutschland. Die Lack- und Druckfarbenumsätze werden, so Becker, um 3,6 Prozent zunehmen, da der Kostenauftrieb bereits begonnen habe. Laut Becker verläuft die Erholung für viele Marktsegmente sehr langsam. Zwar sei für alle Teilbereiche der Lack- und Druckfarbenindustrie die Talsohle durchschritten, das Niveau der Jahre 2006 und 2007 werde aber auf absehbare Zeit nicht wieder erreicht werden.
Mit Blick auf das vergangene Jahr zeigte sich der Verbandspräsident zufrieden, dass die Mitgliedsunternehmen des VdL die Krise weitgehend passabel überstanden hätten. Zwar hätten viele Firmen Kurzarbeit anmelden müssen, jedoch seien Entlassungen weitgehend vermieden worden, und auch Firmenschließungen hätte es nicht gegeben. Becker führte dies auf die erfolgreiche Einführung von sehr konsequenten Kostenmanagementsystemen auch bei den mittelständischen Lack- und Druckfarbenunternehmen zurück.
Die Lack- und Druckfarbenindustrie als Zulieferer von Halbfertigprodukten sei sehr stark von der Erholung in ihren Abnehmerbranchen abhängig. Die volkswirtschaftlich wichtigen Sektoren Automobilbau und Maschinenbau signalisierten – so Becker – Aufwärtstendenzen. Selbst die Bauwirtschaft vermelde gute Zahlen, was sich auf den Lackabsatz positiv auswirken werde.
Belastungen für den Erholungsprozess der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie sah Verbandspräsident Becker aber nicht nur in den ökonomischen Rahmenbedingungen. Als weiteres Hemmnis nannte er die Überregulierung, die in immer größeren Bereichen des Wirtschaftslebens um sich greife. Gemeinhin, so Becker, werde die Politik für alle Zumutungen verantwortlich gemacht, „die es einem mittelständischen Unternehmen schwer machen, zu vernünftigen Kosten und mit überschaubarem Aufwand zu produzieren.“ In den letzten Jahren habe sich allerdings eine Tendenz durchgesetzt, dass verstärkt Behörden, Institute und Kommissionen mit Detailvorschriften in den Betriebsablauf der Unternehmen eingriffen. Ganz besonders kritisierte Becker die „zunehmend selbstherrliche Amtsauslegung“ einiger Bundesoberbehörden. Solche Behörden unterlägen kaum einer parlamentarischen Kontrolle und könnten so Fakten schaffen. „Konstruktive Einwände von Lackherstellern oder Lackverarbeitern werden einfach beiseite gewischt,“ klagte Peter Becker.
Auch beim Einsatz von Nanotechnologie in der Lack- und Farbenindustrie wehre sich der VdL gegen Überregulierung. Von interessierter Seite werde immer wieder der Eindruck erweckt, dass die Verwendung von Nanoteilchen nicht geregelt sei und deshalb eine ernorme Gefahr für Mensch und Umwelt bestünde. Nach Beckers Worten ist dies keineswegs der Fall. Nanoteilchen seien wie alle anderen Substanzklassen von der europäischen Chemikaliengesetzgebung erfasst. Der VdL, so der Verbandspräsident, lehne Sondergesetze für einzelne Lackbestandteile energisch ab. Deshalb spreche sich der Verband gegen eine diskriminierende Kennzeichnung von Produkten, die Nanoteilchen enthalten, aus. Die hohe Bedeutung, die der Nanotechnologie für die Branche zukomme, dürfe nicht durch unverhältnismäßige und von Hysterie geprägte Regulierungsanforderungen beeinträchtigt werden.
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Michael Bross
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